Pro­fes­so­ra­le Erfindungen

Das Gesetz­li­che Rege­lung zur Mit­tei­lungs­pflicht des Hoch­schul­leh­rers bei Ver­öf­fent­li­chung von Dienst­er­fin­dun­gen ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hof ver­fas­sungs­ge­mäß. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt der für das Recht der Arbeit­neh­mer­er­fin­dun­gen zustän­di­ge X. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs die Revi­si­on eines Hoch­schul­leh­rers gegen ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Braun­schweig zurückgewiesen. 

Pro­fes­so­ra­le Erfindungen

Der Klä­ger ist als Direk­tor einer ortho­pä­di­schen Abtei­lung des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums beam­te­ter Pro­fes­sor an einer nie­der­säch­si­schen Hoch­schu­le. Bei sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Tätig­keit erfand er ein neu­es “selbst­sta­bi­li­sie­ren­des Knie­ge­lenk”. Nach der bis Anfang 2002 gel­ten­den Rechts­la­ge waren sol­che Erfin­dun­gen eines Hoch­schul­leh­rers “freie” Erfin­dun­gen, d.h. der Hoch­schul­leh­rer konn­te frei über sie ver­fü­gen und sie selbst zum Patent anmel­den. Nach der im Febru­ar 2002 in Kraft getre­te­nen Rege­lung im Gesetz über Arbeit­neh­mer­er­fin­dun­gen kann der Hoch­schul­leh­rer zwar frei ent­schei­den, ob er eine Erfin­dung der Öffent­lich­keit zugäng­lich machen will. Ent­schei­det er sich dafür, muss er die Erfin­dung jedoch der Uni­ver­si­tät mel­den und hat die Uni­ver­si­tät das Recht, die Erfin­dung in Anspruch zu neh­men und selbst zum Patent anzu­mel­den. Für die Nut­zung der Erfin­dung erhält der Hoch­schul­leh­rer dann eine Ver­gü­tung. Da ein Patent nur erteilt wer­den kann, wenn die Erfin­dung zum Zeit­punkt der Patent­an­mel­dung noch nicht ver­öf­fent­licht war, müss­te eine Patent­an­mel­dung der Uni­ver­si­tät jedoch immer dann erfolg­los blei­ben, wenn der Erfin­der sie zum Zeit­punkt der Patent­an­mel­dung bereits in einer Fach­zeit­schrift, im Inter­net, auf einem Fach­kon­gress oder sonst­wie bekannt­ge­macht hat. Daher bestimmt das Gesetz, dass der Hoch­schul­leh­rer sei­ne Erfin­dung erst dann ver­öf­fent­li­chen darf, wenn er dies der Uni­ver­si­tät recht­zei­tig, in der Regel zwei Mona­te zuvor, ange­zeigt hat. Die­se Anzei­ge­pflicht bzw. die damit ver­bun­de­ne “War­te­frist” vor einer Ver­öf­fent­li­chung hält der Klä­ger für einen ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ein­griff in die durch Arti­kel 5 Absatz 3 des Grund­ge­set­zes geschütz­te Wissenschaftsfreiheit.

Mit sei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge ist der Klä­ger in den Vor­in­stan­zen ohne Erfolg geblie­ben, nach­dem das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine auf Klä­rung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der ein­schlä­gi­gen Bestim­mung gerich­te­te Rich­ter­vor­la­ge des Land­ge­richts aus for­mel­len Grün­den als unzu­läs­sig behan­delt hat­te. Die Revi­si­on gegen das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts blieb nun eben­falls ohne Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der gesetz­li­chen Rege­lung. Zwar berührt es die grund­ge­setz­lich geschütz­te Wis­sen­schafts­frei­heit, wenn ein Hoch­schul­leh­rer vor der Publi­ka­ti­on einer von ihm gemach­ten Erfin­dung eine gewis­se Zeit zuwar­ten muss. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Garan­tie der Insti­tu­ti­on der Hoch­schu­le und ihrer Funk­ti­ons­fä­hig­keit erlaubt jedoch die dar­in lie­gen­de Beein­träch­ti­gung der grund­recht­lich geschütz­ten Rech­te des Hoch­schul­leh­rers, wenn die­se Beein­träch­ti­gung jeweils so gering wie mög­lich gehal­ten und auf das­je­ni­ge beschränkt wird, was not­wen­dig ist, um der Uni­ver­si­tät die Mög­lich­keit zu erhal­ten, ein Patent zu erlan­gen. Hat der Hoch­schul­leh­rer ein Inter­es­se, die Erfin­dung so schnell wie mög­lich zu publi­zie­ren, etwa weil sich auf einem bestimm­ten Gebiet der Tech­nik ver­schie­de­ne For­schungs­grup­pen ein “Wett­ren­nen” lie­fern, steht der Uni­ver­si­tät nicht die gesetz­li­che “Regel­frist” von zwei Mona­ten zur Ver­fü­gung. Die Frist kann dann viel­mehr wesent­lich kür­zer sein und sich im Ein­zel­fall auf Tage oder gar Stun­den verkürzen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2007 – X ZR 167/​05

Professorale Erfindungen