Nich­tig­erklä­rung eines bereits erlo­sche­nen Patents – und das Rechtsschutzinteresse

Wer die Nich­tig­erklä­rung eines erlo­sche­nen Patents begehrt, kann sich nicht mehr auf das bei einem als Popu­lar­kla­ge aus­ge­stal­te­ten Ver­fah­ren ein Recht­schutz­be­dürf­nis recht­fer­ti­gen­de Inter­es­se der All­ge­mein­heit an der Nich­tig­erklä­rung beru­fen. Nich­tig­erklä­rung eines erlo­sche­nen Patents

Nich­tig­erklä­rung eines bereits erlo­sche­nen Patents – und das Rechtsschutzinteresse

Das Erfor­der­nis des beson­de­ren eige­nen Rechts­schutz­in­ter­es­ses ist dabei jedoch nicht etwa so zu ver­ste­hen, dass an die­ses Inter­es­se beson­ders stren­ge, den Rechts­schutz ein­engen­de Anfor­de­run­gen zu stel­len wären. Es muss sich – gegen­über dem vor dem Erlö­schen des Schutz­rechts genü­gen­den und ohne wei­te­res gege­be­nen all­ge­mei­nen Rechts­schutz­in­ter­es­se – nun­mehr ledig­lich um ein spe­zi­el­les, in der Per­son des Klä­gers lie­gen­des, aus sei­ner Bezie­hung zu dem ange­grif­fe­nen Schutz­recht ableit­ba­res Inter­es­se han­deln [1].

Dem­entspre­chend geht der Bun­des­ge­richts­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung davon aus, dass ein Rechts­schutz­in­ter­es­se an der Nich­tig­erklä­rung eines durch Ver­zicht erlo­sche­nen Patents ohne wei­te­res dann zu beja­hen ist, wenn der beklag­te Patent­in­ha­ber den Nich­tig­keits­klä­ger noch wei­ter­hin wegen Ver­let­zung des Streit­pa­tents in der Zeit vor dem Erlö­schen des Streit­pa­tents in Anspruch neh­men kann, wobei weder die Erhe­bung einer Ver­let­zungs­kla­ge noch die Ankün­di­gung einer sol­chen ver­langt wird [2].

Das Rechts­schutz­be­dürf­nis für eine Nich­tig­keits­kla­ge ist nicht nur dann zu beja­hen, wenn der Klä­ger patent­recht­li­chen Ansprü­chen im enge­ren Sin­ne, also Unter­las­sungs- oder Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen unmit­tel­bar aus dem Streit­pa­tent aus­ge­setzt ist.

Im Hin­blick dar­auf, dass das Rechts­schutz­be­dürf­nis nicht bereits bei einer aus­sichts­lo­sen, son­dern grund­sätz­lich nur bei einer offen­sicht­lich nicht schutz­wür­di­gen Rechts­ver­fol­gung abge­spro­chen wer­den kann, kann auch in Bezug auf die im Streit­fall in Rede ste­hen­den, nicht unmit­tel­bar aus dem Streit­pa­tent selbst resul­tie­ren­den Ansprü­che, nicht ent­schei­dend sein, ob die­se bereits gel­tend gemacht oder auch nur ange­kün­digt sind. Hin­rei­chen­der Anlass, den von staat­li­chen Ein­rich­tun­gen gewähr­ten Schutz in Anspruch zu neh­men, besteht viel­mehr schon dann, wenn der Klä­ger Grund zu der Besorg­nis hat, er kön­ne der­ar­ti­gen Ansprü­chen aus­ge­setzt werden.

Eben­so wenig wird das Rechts­schutz­be­dürf­nis durch eine inzwi­schen gege­be­nen­falls ein­ge­tre­te­ne Ver­jäh­rung der mög­li­chen Regress­an­sprü­che besei­tigt. Der Ein­tritt der Ver­jäh­rung hat für sich genom­men weder Aus­wir­kun­gen auf das Bestehen noch auf die Durch­setz­bar­keit eines Anspruchs. Der Schuld­ner ist ab dem Ver­jäh­rungs­ein­tritt ledig­lich berech­tigt, dau­er­haft die Leis­tung zu ver­wei­gern (§ 214 Abs. 1 BGB). Ob er von der ihm zuste­hen­den Ein­re­de der Ver­jäh­rung Gebrauch macht, steht in sei­nem frei­en Belie­ben [3]. Er kann durch ein­sei­ti­ge Erklä­rung sogar auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung ver­zich­ten [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Mai 2016 – X ZR 28/​14

  1. BGH, Beschluss vom 12.03.1981 – X ZB 16/​80, GRUR 1981, 515, 516 Anzei­ge­ge­rät[]
  2. BGH, Urteil vom 26.06.1973 – X ZR 23/​71, GRUR 1974, 146 Schrau­ben­naht­rohr; Beschluss vom 14.02.1995 – X ZB 19/​94, GRUR 1995, 342, 343 Tafel­för­mi­ge Ele­men­te; Beschluss vom 12.03.1981 – X ZB 16/​80, GRUR 1981, 515, 516 Anzei­ge­ge­rät; Urteil vom 12.12 2006 – X ZR 131/​02, GRUR 2007, 309 – Schuss­fä­den­trans­port; Urteil vom 08.07.2010 – Xa ZR 124/​07, GRUR 2010, 910 Rn. 8 – Fäl­schungs­si­che­res Doku­ment[]
  3. BGH, Urteil vom 27.01.2010 – VIII ZR 58/​09, BGHZ 184, 128 Rn. 27 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 18.09.2007 – XI ZR 447/​06, WM 2007, 2206 Rn. 15[]