Patent­ge­gen­stand – und die Gren­zen der Anmel­dung

Nach § 22 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 21 Abs. 1 Nr. 4 PatG ist ein Patent für nich­tig zu erklä­ren, wenn sein Gegen­stand über den Inhalt der Anmel­dung in der Fas­sung hin­aus­geht, in der sie bei der für die Ein­rei­chung zustän­di­gen Behör­de ursprüng­lich ein­ge­reicht wor­den ist.

Patent­ge­gen­stand – und die Gren­zen der Anmel­dung

Der danach maß­geb­li­che Inhalt der Anmel­dung ist anhand der Gesamt­heit der ursprüng­lich ein­ge­reich­ten Unter­la­gen zu ermit­teln, mit­hin nicht auf den Gegen­stand der in der Anmel­dung for­mu­lier­ten Ansprü­che beschränkt. Ent­schei­dend ist viel­mehr, was der mit durch­schnitt­li­chen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten aus­ge­stat­te­te Fach­mann des betref­fen­den Gebiets der Tech­nik der Anmel­dung als zur Erfin­dung gehö­rend ent­neh­men kann [1].

Hier­bei ist eine Fas­sung des Patent­an­spruchs, die gegen­über den ursprüng­li­chen Anmel­de­un­ter­la­gen eine Ver­all­ge­mei­ne­rung ent­hält, nicht unter allen Umstän­den aus­ge­schlos­sen. Sol­che Ver­all­ge­mei­ne­run­gen sind viel­mehr unter der Vor­aus­set­zung zuläs­sig, dass sich die in den ursprüng­lich ein­ge­reich­ten Unter­la­gen anhand eines Aus­füh­rungs­bei­spiels oder in sons­ti­ger Wei­se beschrie­be­nen Anwei­sun­gen für den Fach­mann als Aus­ge­stal­tung der im Patent umschrie­be­nen all­ge­mei­ne­ren tech­ni­schen Leh­re dar­stel­len und die­se Leh­re in der im Patent offen­bar­ten All­ge­mein­heit bereits den ursprüng­lich ein­ge­reich­ten Unter­la­gen unmit­tel­bar und ein­deu­tig als zu der ange­mel­de­ten Erfin­dung gehö­rend ent­nehm­bar ist [2].

Sol­che Ver­all­ge­mei­ne­run­gen sind in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs vor allem dann zuge­las­sen wor­den, wenn von meh­re­ren Merk­ma­len eines Aus­füh­rungs­bei­spiels, die zusam­men­ge­nom­men, aber auch für sich betrach­tet dem erfin­dungs­ge­mä­ßen Erfolg för­der­lich sind, nur eines oder nur ein­zel­ne in den Anspruch auf­ge­nom­men wor­den sind [3]. Unzu­läs­sig ist eine Ver­all­ge­mei­ne­rung hin­ge­gen ins­be­son­de­re dann, wenn den ursprüng­lich ein­ge­reich­ten Unter­la­gen zu ent­neh­men ist, dass ein­zel­ne Merk­ma­le in untrenn­ba­rem Zusam­men­hang mit­ein­an­der ste­hen, der Patent­an­spruch die­se Merk­ma­le aber nicht in ihrer Gesamt­heit vor­sieht [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. April 2016 – X ZR 2/​14

  1. BGH, Urteil vom 17.02.2015 – X ZR 161/​12, BGHZ 204, 199 Rn. 21 – Wund­be­hand­lungs­vor­rich­tung[]
  2. BGHZ 204, 199 = GRUR 2015, 573 Rn. 29 – Wund­be­hand­lungs­vor­rich­tung; Urteil vom 11.02.2014 – X ZR 107/​12, BGHZ 200, 63 Rn. 23 = GRUR 2014, 542 Rn. 24 – Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal[]
  3. BGHZ 200, 63 Rn. 23 = GRUR 2014, 542 Rn. 24 – Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal, mwN[]
  4. BGHZ 204, 199 = GRUR 2015, 573 Rn. 31 – Wund­be­hand­lungs­vor­rich­tung[]