Patent­an­mel­dung – mit der Prio­ri­tät einer frü­he­ren Gebrauchs­mus­ter­an­mel­dung

Bei der Anmel­dung eines euro­päi­schen Patents kann das Prio­ri­täts­recht einer vor­an­ge­gan­ge­nen Gebrauchs­mus­ter­an­mel­dung nach Art. 87 Abs. 1 EPÜ in Anspruch genom­men wer­den, wenn bei­de die­sel­be Erfin­dung betref­fen.

Patent­an­mel­dung – mit der Prio­ri­tät einer frü­he­ren Gebrauchs­mus­ter­an­mel­dung

Die­se Vor­aus­set­zung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs erfüllt, wenn die mit der Nach­an­mel­dung bean­spruch­te Merk­mals­kom­bi­na­ti­on in der Vor­anmel­dung in ihrer Gesamt­heit als zu der ange­mel­de­ten Erfin­dung gehö­rend offen­bart ist. Der Gegen­stand der bean­spruch­ten Erfin­dung muss im Prio­ri­täts­do­ku­ment iden­tisch offen­bart sein; es muss sich um die­sel­be Erfin­dung han­deln.

Dabei ist die Offen­ba­rung des Gegen­stands der ers­ten Anmel­dung nicht auf die dort for­mu­lier­ten Ansprü­che beschränkt, viel­mehr ist die­ser aus der Gesamt­heit der Anmel­de­un­ter­la­gen zu ermit­teln. Für die Beur­tei­lung der iden­ti­schen Offen­ba­rung gel­ten die Prin­zi­pi­en der Neu­heits­prü­fung.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist danach erfor­der­lich, dass der Fach­mann die im Anspruch bezeich­ne­te tech­ni­sche Leh­re den Ursprungs­un­ter­la­gen „unmit­tel­bar und ein­deu­tig“ als mög­li­che Aus­füh­rungs­form der Erfin­dung ent­neh­men kann [1].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. August 2015 – X ZR 83/​13

  1. BGH, Urteil vom 11.02.2014 – X ZR 107/​12, BGHZ 200, 63 Rn.19 ff. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal[]