Fugen­freie Ver­bin­dung – und der Stand der Technik

Ange­sichts der Nach­tei­le, die eine Ver­kle­bung und eine dabei ent­ste­hen­de Fuge mit sich brin­gen, ist die Ent­wick­lung einer fugen­frei­en Ver­bin­dung bereits als Teil der Lösung des tech­ni­schen Pro­blems anzusehen.

Fugen­freie Ver­bin­dung – und der Stand der Technik

Ele­men­te, die zur patent­ge­mä­ßen Lösung gehö­ren, dür­fen bei der Defi­ni­ti­on des tech­ni­schen Pro­blems, das einer Erfin­dung zugrun­de liegt, jedoch nicht berück­sich­tigt wer­den[1].

Eben­so ist es ver­fehlt, schon bei der Defi­ni­ti­on der Auf­ga­be die Fra­ge zu prü­fen, wel­che Anre­gun­gen dem Fach­mann durch den Stand der Tech­nik gege­ben wur­den. Viel­mehr ist das tech­ni­sche Pro­blem so all­ge­mein und neu­tral zu for­mu­lie­ren, dass sich die­se Fra­ge aus­schließ­lich in dem Zusam­men­hang stellt, in dem sie rele­vant ist, näm­lich bei der Prü­fung der erfin­de­ri­schen Tätig­keit[2].

Daher scha­det es ins­be­son­de­re auch nicht, dass die Streit­pa­tent­schrift in Bezug auf die kleb­stoff­frei­en Ver­bin­dun­gen anders als bei den Kle­be­ver­bin­dun­gen nicht expli­zit deren Nach­tei­le dar­stellt, viel­mehr nur Kri­te­ri­en benennt, die die im Stand der Tech­nik inso­weit bis­her vor­ge­schla­ge­nen Lösun­gen nicht auf­wei­sen. Impli­zit kommt dar­in zum Aus­druck, dass die­se für ver­bes­se­rungs­wür­dig gehal­ten werden.

Die For­mu­lie­rung der Auf­ga­be in der Beschrei­bung ist vor die­sem Hin­ter­grund dahin zu ver­ste­hen, dass mit der Erfin­dung auch der Stand der Tech­nik in Bezug auf kleb­stoff­freie Ver­bin­dun­gen wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den soll, und ist damit nicht zu beanstanden.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2015 – X ZR 53/​13

  1. BGH, Urteil vom 22.05.1990 – X ZR 124/​88, GRUR 1991, 811, 814 – Falz­ma­schi­ne; Urteil vom 30.07.2009 – Xa ZR 22/​06, GRUR 2010, 44 Rn. 14 – Drei­naht­schlauch­fo­li­en­beu­tel[]
  2. BGH, Urteil vom 13.01.2015 – X ZR 41/​13, GRUR 2015, 190 Rn. 17 Que­tia­pin[]