Durchfuhr patentverletzender Waren

In Recht­sprechung und Lit­er­atur zum Paten­trecht ist gek­lärt, dass die bloße Durch­fuhr schutzrechtsver­let­zen­der Waren nicht als Ein­fuhr zum Zweck des Inverkehrbrin­gens (§ 9 Satz 2 Nr. 1 PatG) einzuord­nen ist1.

Durchfuhr patentverletzender Waren

Eine abwe­ichende Entschei­dung des LG Ham­burg2 ist vere­inzelt geblieben und später aufgegeben wor­den3. Uner­he­blich ist insoweit, ob die Durch­fuhr zoll­rechtlich im exter­nen Ver­sand­ver­fahren (T1-Ver­fahren) oder im soge­nan­nten T2L-Ver­fahren erfol­gt, bei dem die Waren zur Über­führung in den freien Waren­verkehr inner­halb der Europäis­chen Union angemeldet wer­den. Eine patentver­let­zende Hand­lung ist erst anzunehmen, wenn im Inland ein Veräußerungs­geschäft erfol­gt oder die Ware zu diesem Zweck einge­führt wird.

Ob diese Voraus­set­zun­gen vor­liegen, ist eine Frage des Einzelfalls.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss des vom 25. Juni 2014 — X ZR 72/13

  1. OLG Karl­sruhe, GRUR 1982, 295, 299 f.; Busse/Keukenschrijver, PatG, 7. Aufl., § 9 Rn. 135; Schulte/Rinken/Kühnen, PatG, 9. Auf., § 9 Rn. 67; Benkard/Scharen, PatG, 10. Aufl., § 9 Rn. 44 f.; Mes, PatG, 3. Aufl., § 9 Rn. 46; Rinken in Fitzner/Lutz/Bodewig, Paten­trecht, 4. Auf., § 140a PatG Rn. 22; Haedicke/Timmann, Hand­buch des Paten­trechts, § 8 Rn. 41; Kraßer, Paten­trecht, 6. Aufl., S. 762; Küh­nen, Hand­buch der Patentver­let­zung, 6. Aufl. Rn. 179; Kobi­ako, GRUR Int 2004, 832; Worm/Maucher, Mitt.2009, 445 []
  2. LG Ham­burg, Urteil vom 02.04.2004 — 315 O 305/04 []
  3. LG Ham­burg InstGE 11, 65 []