Com­pu­tern wie vor 15 Jah­ren

Der Bun­des­ge­richts­hof hat heu­te die Gül­tig­keit des zu Guns­ten der Micro­soft Corp erteil­ten euro­päi­schen Patents 618 540 bestä­tigt. Die­ses Schutz­recht betrifft das offen­bar noch heu­te rele­van­te Pro­blem, wenn Pro­gram­me, die aus Grün­den gerin­ger Spei­cher­ka­pa­zi­tät oder beschränk­ter Rechen­leis­tung nur mit ver­gleichs­wei­se kur­zen Datei­na­men zu arbei­ten ver­mö­gen, auch in Com­pu­ter­sys­te­men ein­ge­setzt wer­den sol­len, die nahe­zu belie­big lan­ge Namen zur Kenn­zeich­nung einer Datei zulas­sen. Bekann­tes Bei­spiel für eine Beschrän­kung der Anzahl von Zei­chen für den Namen einer Datei ist das Betriebs­sys­tem MS-DOS mit sei­nem Datei­sys­tem FAT, das nur Datei­na­men mit maxi­mal acht Zei­chen vor und drei Zei­chen nach dem Punkt zulässt (8.3‑Konvention). Die Leh­re des Patents erlaub­te Micro­soft die Ein­füh­rung des Datei­sys­tems VFAT (Vir­tu­al File Allo­ca­ti­on Table) gemein­sam mit WINDOWS 95. Die­ses Sys­tem gestat­tet lan­ge Datei­na­men und ist den­noch mit dem FAT-Datei­sys­tem kom­pa­ti­bel. Die Lösung gelang durch eine im FAT-Datei­sys­tem mög­li­che Bele­gung des Datei­at­tri­but­fel­des bei der Spei­che­rung eines lan­gen Namens, die bewirkt, dass bei der Daten­ver­ar­bei­tung mit die­sem Sys­tem der Namens­ein­trag igno­riert wird.

Com­pu­tern wie vor 15 Jah­ren

Das Bun­des­pa­tent­ge­richt hat­te die Leh­re im Hin­blick dar­auf als nicht erfin­de­risch ange­se­hen, dass das ROCK RIDGE INTERCHANGE PROTOCOL für den damals bei CD-ROM maß­geb­li­chen ISO 9660- Stan­dard die 8.3‑Beschränkung über­wun­den hat­te. Der Bun­des­ge­richts­hof ver­moch­te dem nicht bei­zu­tre­ten, weil er – sach­ver­stän­dig bera­ten – dem erteil­ten Patent­an­spruch einen ande­ren Sinn­ge­halt als das Bun­des­pa­tent­ge­richt ent­nom­men hat. Hier­nach lehrt das Patent, zwei eigen­stän­di­ge Ver­zeich­nis­ein­trä­ge (einer mit einem kur­zen Namen, einer mit einem lan­gen Namen) zu spei­chern. Das ROCK RIDGE INTERCHANGE PROTOCOL unter­schei­det sich hier­von, weil bei Befol­gung bei­de Namen in ein und dem­sel­ben Ver­zeich­nis­ein­trag ent­hal­ten sind. Für die Erfin­der des Patents erga­ben sich des­halb ande­re Pro­ble­me bei der Über­win­dung der 8.3‑Restriktion.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. April 2010 – X ZR 27/​07

Computern wie vor 15 Jahren