Ausführbarkeit einer Lehre — und die hinreichende Offenbarung

Eine für die Aus­führbarkeit ein­er Lehre hin­re­ichende Offen­barung ist gegeben, wenn der Fach­mann ohne erfind­erisches Zutun und ohne unzu­mut­bare Schwierigkeit­en in der Lage ist, die Lehre des Paten­tanspruchs auf Grund der Gesamtof­fen­barung der Patentschrift in Verbindung mit dem all­ge­meinen Fach­wis­sen am Anmelde- oder Pri­or­ität­stag prak­tisch so zu ver­wirk­lichen, dass der angestrebte Erfolg erre­icht wird1.

Ausführbarkeit einer Lehre — und die hinreichende Offenbarung

Damit ist dem Fach­mann ein Weg zur Aus­führung der beansprucht­en Erfind­ung aufgezeigt, was dem Gebot hin­re­ichend deut­lich­er und voll­ständi­ger Offen­barung genügt2.

Die Frage, ob die Erfind­ung so hin­re­ichend deut­lich und voll­ständig offen­bart sei, dass ein Fach­mann sie aus­führen kann, stellt sich nur bei der Prü­fung des Nichtigkeits­grun­des nach Art. — II § 6 Abs. 1 Nr. 2 Int­PatÜG, nicht aber im Hin­blick auf das Erforder­nis der gewerblichen Anwend­barkeit bei der Prü­fung des Nichtigkeits­grun­des der fehlen­den Patent­fähigkeit nach Art. — II § 6 Abs. 1 Nr. 1 Int­PatÜG3.

Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 3. Novem­ber 2015 — X ZR 47/13

  1. st. Rspr.; s. nur BGH, Urteil vom 11.05.2010 — X ZR 51/06, GRUR 2010, 901 Rn. 31 — Poly­merisier­bare Zement­mis­chung []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.09.2013 — X ZR 8/12, BGHZ 198, 205 Rn. 17 — Dipep­tidyl-Pep­ti­dase-Inhibitoren []
  3. EPA-TBK, Entschei­dung vom 30.06.1998 — T 718/96, Rn.02.1 — selb­stentlüft­bar­er Flaschen­ver­schluss; Busse/Keukenschrijver, PatG, 7. Aufl., 2013, § 5, Rn. 7; § 1, Rn. 12; Münch­n­er Gemeinschaftskommentar/Teschemacher, 7. Liefer­ung, 1985, Art. 83, Rn. 63; vgl. auch BGH, Beschluss vom 27.09.1984 — X ZB 5/84, BlP­MZ 1985, 117 f. []